Natur und Landschaft

An der Trockenseite Afrikas, zwischen der Kalahari-Wüste im Osten ( Wendekreiswüste ) und dem Atlantischen Ozean im Westen, erstreckt sich Namibia. Klimatisch gesehen zählt das Land zu den Subtropen.

Vom weitgespannten Innenbecken der sandigen und mit Endseen ( Pfannen ) bedeckten Kalahari steigt das Land nach Westen zum ausgedehnten, flachwelligen Hochland zwischen 1000 und 1800 m über den Meeresspiegel an, das im Süden vom Oranje und im Norden vom Kunene als den einzigen Dauerflüßen begrenzt wird.

Im Westen des Hochplateaus verläuft parallel zur Küste eine Tafelbergregion mit Höhen über 2000m.

Der Norden und Nordosten, einschließlich des Ovambolandes und Caprivizipfels erhalten zum Teil über 500mm Niederschlag, so daß hier Regenfeldbau möglich ist. In der Etoshapfanne, einem der größten Salzseen Afrikas, sammelt sich das Wasser der nur zur Regenzeit wasserführenden Flüsse. In der Trockenzeit kann man mit dem Auto über feste, weiß-gelbe Salzkruste fahren.

Auf den benachbarten Bergrücken ( Otavi-Bergland ) treten vielfach Karsterscheinungen auf. Das Damaraland ist ein Hochplateau, das sich allmählich westwärts zur Namib neigt. Über der Hochfläche erheben sich Inselberglandschaften. In der Randzone ziehen sich die hohen Bergrücken der Tafelbergregion entlang, wie die Erongoberge ( 2350m ). Der Brandberg ( 2606m ), höchster Berg Namibias, gehört zur großen Randstufe, die die Namibwüste vom Hochland trennt. Nach Süden hin schließt sich bei Windhoek das klimatisch rauhere Khomasplateau an, das nach Westen in einer scharf ausgeprägten Schichtstufe abfällt. Dieses Gebiet erhält mit 300-500mm relativ viel Niederschlag, das eine weit verbreitete landwirtschaftliche Nutzung ermöglicht.

Die inneren Hochländer Damaraland und Namaland, die um Windhoek Höhen von 1800-2400m erreichen, sind zu Räumen mit gut entwickelter, extensiver Weidewirtschaft geworden, im Norden Rinderzucht, im Süden Karakulschafzucht. Das nördliche Namaland zeigt ähnliche Landschaften wie das Khomasplateau. Schwarze Diabas- und Granitkuppen überragen als Härtlinge die Hochebene.

Das südliche mit Felsblöcken übersäte Huibplateau dagegen ist bereits sehr trocken ( Jahresniederschlag ca. 100mm ). Das Hochland bricht mit der Großen Randstufe steil zum Küstenrandgebiet ab, das ebenfalls aus Höhen um 1000m recht steil zur Küste abfällt.

Der Westen des Landes wird völlig durch die Namib-Wüste geprägt, die sich ca. 1400 km, von Mocamedes ( Angola ) bis Port Nolloth im Süden, an der Küste hinzieht. Im Gegensatz zur Kalahari ist die Namib auf weite Strecken eine vegetationslose Sand- und Felswüste von äußerst extremer Trockenheit. Etwas Feuchtigkeit erhält die Küste bedingt durch Nebelbildung aufgrund des Benguelastroms ( Siehe Klima ). In der südlichen Namib, der sogenannten Wannennamib, prägen sich bis zu 100m tiefe, vom Wind ausgeblasene Wannen die Landschaft. Im Norden von Lüderitz erstreckt sich die Dünennamib, in der weite Flugsandfelder den felsigen Untergrund verhüllen. Nördlich von Swakopmund dehnt sich die Flächennamib aus, wo die felsigen Rumpfflächen von tief eingefurchten Küstenflußtälern zerschnitten sind. Sie geht über die Kaokoveld-Namib, deren gefährlich zu befahrende Küste den Namen Todes- oder Skelettküste bekommen hat.

Der 60km lange Küstenstrich der Walfischbucht, umgeben von der Namib, ist neben der Lüderitzbucht der einzige Naturhafen und der einzige Tiefseehafen des Landes.

Def. Wendekreiswüste : Im Bereich der Wendekreise, wo ganzjährig die Hochdruckzellen der Roßbreiten mit den trockenen Passatwinden herrschen. In Südamerika sowie Südafrika beschränken sich die Wendekreiswüsten auf die westlichen Küsten, wo die Passatwinde ablandig und daher trocken sind. Dazu kommen vor den Westküsten kalte Auftriebswasser oder polare Meeresströmungen, welche die auflandigen Winde zum vorzeitigen Niederschlag zwingen und das Festland nur als Trockenwinde erreichen.

An den Ostküsten, wohin der feuchte Meerespassat Niederschläge bringt, fehlen Wüsten ( Ausnahme: Patagonien ).

 


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